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FLORA: LAND DER WÄLDER UND WIESEN

Von den mitteleuropäischen Ländern hat Polen die meisten Pflanzenarten und die artenreichsten Waldbiotope, weil es im Tiefland, in der Zone des gemäßigten Klimas mit Übergangscharakter liegt.

Zwergbirken und Zwergkirschen

Die heutige Pflanzenwelt ist geprägt von Klimaschwankungen, vom Standortwechsel der Pflanzen und ihrer Verbreitung nach der letzten Eiszeit. Es gibt in Polen über 2300 Arten von Gefäßpflanzen, 600 Moos-, 250 Lebermoos- und 1600 Flechtenarten. Da es sowohl im Osten als auch im Westen des Landes keine natürlichen Barrieren gibt, können sich Pflanzen und Tiere ungehindert ausbreiten. So sind die meisten Gefäßpflanzen "zugewandert". Diese Arten machen 60 % der gesamten Pflanzenwelt Polens aus. Dazu gehören Baumarten wie die Gemeine Stieleiche sowie Stieleiche, Schwarzerle, Ulme, Birke und die Kleinblättrige Linde.
In Polen gibt es Pflanzen verschiedener Herkunft: euroasiatische und nordamerikanische wie die Preiselbeere, arktisch-boreale, d. h. dem nördlichen Klima zugehörende, wie die Zwergbirke, mitteleuropäische wie Tanne und Buche und viele andere sowie westeuropäische wie die Glockenheide (Erika). Aus dem Schwarzmeerraum, aus Podolien und aus Ungarn stammen die Zwergkirsche und das gelb blühende, für trockene Kalksteinwiesen typische Adonisröschen. Es gibt allerdings nur wenige Pflanzen, die für den Mittelmeerraum typisch sind. Für 40 % der Pflanzenarten ist Polen die Grenze ihres Verbreitungsgebiets. Es ist die nördliche Grenze, bis zu der u. a. die Breitblättrige Linde, die Europäischen Lärche und die Schwarzpappel vorkommen. Ihre östliche und nordöstliche Grenze erreichen hier atlantische und subatlantische Pflanzenarten wie Buche, Bergahorn, Feldahorn, Stiellose Eiche und die für das Ostseegebiet typische Sumpfglockenheide. Die südliche Grenze betrifft in Polen nur die in den Niederungen an der Ostsee auftretende schwedische Eberesche und seltene im nördlichen Klima vorkommende Pflanzen wie Zwergbirke und Lapplandweide. Für 10 % der Pflanzenarten verläuft durch Polen ihre westliche Verbreitungsgrenze.
Es gibt auch einige örtlich begrenzt auftretende (= endemische) Pflanzenarten, und zwar hauptsächlich in den Karpaten wie z. B. das Edle Rispengras und der Augentrost, in der Gegend von Babia Góra das Laserkraut /laserpitium archangelica/, das an der oberen Waldgrenze wächst und bis zu 2 m hoch wird sowie im Pieniny-Gebirge der einer Chrysantheme ähnelnde Zawadzki-Rainfarn. In den Sudeten treten nur im Riesengebirge / Karkonosze ebereschenartige Bäume /sorbus torminalis/ auf.
In den Tief- und Hochlandgebieten wurden etwa 15 endemische und subendemische Pflanzenarten gezählt, z. B. Polnische Lärche, Schwarzbirke und Ojców-Birke. Einige örtlich begrenzt auftretende Pflanzenarten treten inselartig auf und sind Überbleibsel aus früheren Epochen. Relikte aus der Eiszeit sind z. B. Tatra-Feldrittersporn, Waldnelke, Tatra-Steinbrech, Lapplandweide und Zwergbirke. Zu den bekanntesten Überbleibseln gehört die Zirbelkiefer, die ausschließlich in der Tatra vorkommt. Ein Beispiel eines Steppenrelikts ist der Gelbe Rhododendron. In den Sumpfgebieten, an Talrändern und an Seeufern findet man vor allem Erlenwälder, in denen es vorwiegend Schwarzerlen gibt. Die im Unterholz dieser schattigen Wälder wachsenden Kletterpflanzen können sich vom feuchten Boden einige Meter hochranken. Hier wächst auch der größte polnische Farn - der Königsfarn. Wiesenwälder, die meistens in feuchten Gebieten vorkommen, findet man seltener, und zwar nur auf der Masurischen Seenplatte sowie in den Tälern großer Flüsse wie Weichsel, Oder und Warthe.
Von außerordentlicher Bedeutung für die Natur ist das Sumpfland um den Fluss Biebrza. Es liegt westlich vom Fluss Bug und ist das größte, fast unberührte Sumpfgebiet der Europäischen Tiefebene. Es gibt dort zahlreiche, für Nordeuropa typische Pflanzenarten sowie Pflanzenrelikte, die die Eiszeit überstanden haben wie z. B. verschiedene Riedgrasarten.
Die Landschaft bestimmt die Biebrza, der einzige Fluss in Europa, der im gesamten Verlauf seinen natürlichen Charakter behalten hat. Das Flusstal besteht aus drei Sumpfbecken, die miteinander verbunden sind. Durch das geringe Gefälle und den Fluss Narew, der in die Biebrza mündet und Wall anschwemmt, fließt der Biebrza sehr langsam. Sie hat viele Mäander und überschwemmt im Frühling die umliegenden Wiesen. In ihr eigentliches Flussbett kehrt sie manchmal erst im Spätsommer zurück. Man sieht hier nur wenige Hügel, Gebüschspitzen und Heuschober. Im abwechslungsreichsten, mittleren Becken befindet sich der Rote Sumpf / Czerwone Bagno. Es ist eines der größten mit Sumpfwald bewachsenen polnischen Torfmoorgebiete. Am Rande dieses Beckens wachsen die einzigen Sumpfbirkenwälder Polens. Am nördlichen Becken, wo das Wasser in kleineren Mengen austritt, kommen viele seltene Pflanzen vor. Durch das südliche Becken schlängelt sich behäbig der Fluss.

Urwälder, Heiden und Wälder

Polen war ursprünglich größtenteils von Wald bedeckt. Jetzt sind noch 28 % der Landesfläche Wald, der seinen Pflanzenbestand größtenteils stark verändert hat. Die größten Waldflächen blieben in den Karpaten, in den Sudeten und auf den Seenplatten erhalten. Wenig Wald gibt es dagegen in Mittelpolen. Die ehemaligen Urwälder Masowiens sind nur rudimentär erhalten geblieben. Wälder gibt es dort nur noch auf unfruchtbaren Sanddünen und in Sumpfgebieten.
Ursprünglich waren die Gebiete Polens meist mit Laubwäldern bewachsen: in Flusstälern überwogen Weiden und Pappeln, in den Sumpfgebieten Erlen, und in anderen Landesteilen Mischwälder, die hauptsächlich aus Eiche, Hainbuche und Linde bestanden. In den Mischwäldern kommen je nach Region auch Buche, Fichte und Ahorn vor. Die Vielfalt der Baumarten begünstigt die Existenz zahlreicher Tierarten.
Nach 1945 wurde Polen vorwiegend mit Nadelbäumen bewaldet, was sich auf den Laubbaumbestand negativ auswirkte. Man legte regelrechte Kiefernplantagen an, da in der Regel unfruchtbarer Sandboden bewaldet wurde, der für den Getreideanbau ungeeignet war. Zurzeit gibt es 57 000 km2 Kiefernwald, 3300 km2 Buchenwald und 2000 km2 Tannenwald. Nadelbäume sind sehr anfällig gegen unreine Luft und Schädlinge, besonders, wenn ein ganzer Wald aus nur einer Baumart besteht. In den letzten 20 Jahren hat sich die Fläche der polnischen Waldbestände kaum verändert. Man arbeitet an der Vergrößerung des Laubbaumbestandes. Es gibt auch immer mehr verhältnismäßig alte Wälder.
In Polen findet man meist Nadelbaumwälder, in denen die Gemeine Kiefer (70 %) und die Gemeine Fichte vorherrschen. Die Kiefer kann auf verschiedenen Bodenarten und unter extremen Feuchtigkeitsbedingungen gedeihen. Sie ist auch in klimatischer Hinsicht sehr widerstandsfähig. Auf den Gebieten Polens erschien sie nach der Eiszeit und überlebte sämtliche Klimaschwankungen. Nur im Gebirge räumte sie Fichte, Tanne und Buche den Platz. Der Kiefernwald hat ein sehr spezifisches Unterholz. Es besteht vor allem aus Beeren, Wacholder und aus einer Vielzahl von Moos- und Flechtenarten. Ein rohes Klima verträgt hingegen die Fichte sehr gut - deswegen wächst sie vor allem im Gebirge und im Nordosten des Landes, wo sie dunkle, homogene Wälder bildet, deren Unterholz häufig nur aus Moos, Farnen und Beerensträuchern besteht.
Die Nadelwälder machen 70 % der gesamten Waldfläche aus. Die tiefsten Wälder gibt es in den Urwäldern von Augustów, Pisz, im Notec-Urwald in der Tuchler Heide / Bory Tucholskie und im Urwald Dolno¶l±ski / Niederschlesien. Es sind ebenfalls Teile von Mischwäldern erhalten geblieben. In den Mischwäldern der Seenplatten dominiert die Buche und im Gebirge die Lärche.

Auf mineralreichen Böden stehen Laubwälder, die sich hauptsächlich aus Eiche und Weißbuche zusammensetzen sowie Buchenwälder. Gut erhaltene Eichen- und Weißbuchenwälder gibt es im Bialowie¿a-Urwald (Ostpolen) und in der Kampinos-Heide bei Warschau. Und im Heiligkreuzgebirge / Góry ¦wiêtokrzyskie bilden Tannen und Buchen Mischwälder.
Wälder mit größerem Buchenanteil findet man in folgenden Gebieten: an Berghängen sowie auf der Pommerschen Seenplatte / Pojezierze Pomorskie, im Westen der Masurischen Seenplatte / Pojezierze Mazurskie, auf der Hochebene von Lublin und im Bieszczady-Gebirge. Zu den schönsten Buchenwäldern zählen die Lasy Kadyñskie bei Elbl±g / Elbing und die Puszcza Bukowa / Buchenheide bei Szczecin / Stettin, wo die Pommersche Buche überwiegt.
Am schönsten sind die Buchen- und Mischwälder im Frühling, wenn die Natur zum Leben erwacht und die meisten Pflanzen zu blühen beginnen. Da sie reif werden müssen, bevor die Bäume Blätter bekommen und die Sonne verdecken, ist der Waldboden nach den ersten sonnigen Tagen kaum wiederzuerkennen. Es bilden sich bunte Teppiche blühender Anemonen, Veilchen und Leberblümchen.
Die schönsten Wälder Westpolens sind der Sand-Urwald / Puszcza Piaskowa, der Wald im Oder-Tal bei Cedynia und jener am westlichen Rand der Soldiner Seenplatte / Pojezierze My¶liborskie. Der Sand-Urwald war einst viel umfangreicher und bedeckte das Gebiet um die Oder. Der Name stammt von der Ortschaft Piasek, polnisch: Sand. Über die Hälfte des Baumbestandes machen Laubbäume aus: mitunter 250-300 Jahre alte Eichen, die ältesten sind 350-400 Jahre alt. Von der Einzigartigkeit der hiesigen Pflanzenwelt zeugen auch die wärmeliebenden Gras- und Straucharten.

Der wertvollste Wald Polens

Polen ist das einzige Land, in dem das letzte Fragment des riesigen Urwalds erhalten geblieben ist, der vor 1000 Jahren das europäische Tiefland größtenteils bedeckte. Dieser Wald reicht weit bis nach Weißrussland und umfasst in Polen das Bielsker Flachland und die Gebiete der Flüsse Narewka und Le¶na (Nebenfluss des Bug), Puszcza Bia³owieska / Bia³owie¿a-Urwald genannt. Der zu Polen gehörende Teil des Urwalds ist 580 km2 groß.
Bereits vor 500 Jahren war es hier verboten, Bäume zu fällen und Siedlungen zu gründen - so wollten es die polnischen Könige, die den Urwald als Jagdgebiet liebten. Obwohl hier im 19. Jh. und in der Zwischenkriegszeit Bäume gefällt wurden, blieb bis heute sein ursprünglicher Charakter eines natürlichen Flachlandwaldes erhalten. Dieses Phänomen ist europaweit einzigartig.
1921 ist der wertvollste Teil unter Naturschutz gestellt worden. Drei Jahre später wurde das Gebiet zum Nationalpark erklärt. Es ist der älteste der 23 Nationalparks in Polen und nimmt 15 % der Gesamtfläche des Urwalds ein. 1977 wurde er auf die Liste der Biosphärenreservate und 1979 auf die Liste des Weltnatur- und Weltkulturerbes der UNESCO gesetzt. Er steht als einziger polnischer Nationalpark auf diesen beiden Listen. Auf der europäischen Liste des Weltnatur- und Weltkulturerbes der UNESCO steht sonst nur noch der Park Durmitor in Montenegro. Beide gelten als "Yellowstone’s of Europe". Der Bia³owie¿a-Urwald wurde ebenfalls mit dem Europa-Diplom ausgezeichnet, das vom Europarat an besonders wertvolle Naturobjekte in Europa verliehen wird.
Zwei Drittel des wertvollsten Teiles des Urwalds bestehen aus Laubwäldern, in denen vor allem Eichen und Hainbuchen vertreten sind. An feuchten Standorten wachsen Erlenwälder, die regelmäßig überschwemmt werden, sowie die für Auenlandschaften typischen Schwarzerlen- und Eschenwälder. Auf trockenem Boden wachsen Kiefern-, Fichten- und Mischwälder. Je nach Bodenbeschaffenheit gibt es hier 20 Waldarten. Außerdem findet man Sümpfe, Moorgebiete und viele kleine Flüsse.
Die Ursprünglichkeit des Bia³owie¿a-Urwalds erkennt man an der Artenvielfalt der Laubwälder. Am höchsten wächst hier die Fichte. Nicht ganz so hoch ragen die Kronen von Eiche, Linde und Ahorn. Am niedrigsten ist die Hainbuche. Jahrhunderte alte Riesen stehen neben jungen Bäumen, die zwischen Stämmen abgestorbener Bäume emporschießen, indem sie den neu entstandenen Platz und die durchschimmernden Sonnenstrahlen nutzen. Die vielen abgestorbenen Bäume sind für den Nationalpark charakteristisch. Im streng geschützten Reservat machen sie über 10 % des gesamten Baumbestandes aus. Die verfaulten Pflanzen geben dem Boden wichtige Nährstoffe.
Seit 80 Jahren werden im Reservat keine Forstarbeiten durchgeführt. Die Bäume sind im Schnitt 126 Jahre alt. Im übrigen Teil des Urwalds sind sie durchschnittlich 72 Jahre und in ganz Polen 54 Jahre alt. Im Bia³owie¿a-Urwald haben 1600 Bäume die für Naturdenkmäler erforderlichen Dimensionen erreicht.
Es gibt hier viele nördliche, für die Taiga charakteristische Pflanzen- und Tierarten, für die im Bia³owie¿a-Urwald die südliche und die nördliche Lebensraumgrenze verläuft. Im Bia³owie¿a-Urwald leben 8500 Insektenarten, 250 Vogelarten, 54 Säugetierarten, über 1000 Arten von Gefäßpflanzen, 200 Moosarten und 300 Flechtenarten. Die hier vorkommenden 3000 Pilzarten sind größtenteils Relikte des ursprünglichen Urwaldes und wachsen meist auf morschen Bäumen.

Das Rauschen der Tannenwälder

Neben dem Bia³owie¿a-Urwald sind bis heute noch andere Waldkomplexe erhalten geblieben, die es bereits im Mittelalter in den Grenzgebieten des ehemaligen Preußens, Litauens und Polens gab und zwar im Nordosten des Landes. Nördlich des Bia³owie¿a-Urwalds liegen zwei weitere große Wälder. Erstens der 1140 km2 große Augustów-Urwald / Puszcza Augustowska, in dem durch Selbsterneuerung ein unzugängliches Dickicht entstand, und zweitens der Knyszyn-Urwald / Puszcza Knyszynska (839 km2) mit naturbelassenen Kiefern- und Kiefern-Fichtenbeständen sowie interessanten Moorpflanzen.
Im Kaliningrader Gebiet, d. h. auf russischer Seite liegt der Wald Puszcza Romincka, in dem das unter Schutz stehende Straußfarn oft vorkommt. Von unglaublicher Schönheit ist das Gebiet östlich des Sees Goldap, auf dessen Hochmoor u. a. ein Fichten- und Erlenbestände wachsen.
Auf der Pommerschen Seenplatte / Pojezierze Pomorskie ist die Tuchler Heide / Bory Tucholskie mit 1200 km2 das größte Waldgebiet. Wegen der intensiven Bewirtschaftung gibt es dort jedoch nur wenige Wälder im ursprünglichen Zustand und die Jungwälder bestehen nur aus Kiefern. Eine Enklave der ursprünglichen Flora ist das Eiben-Reservat "Wierzchlas". Es ist landesweit der größte Eibenbestand. Das Reservat umfasst einen Teil des ehemaligen Pommerschen Urwalds, wo 4000 Eiben wachsen, von denen die ältesten über 600 Jahre alt sind. Ursprüngliche setzten sich die Mischwälder überwiegend aus Kiefern und der unter Naturschutz stehenden Ebereschenart sorbus torminalis zusammen. Es gibt hier ebenfalls zahlreiche Relikte aus der Eiszeit, u. a. die Zwergbirke und das Nördliche Wintergrün.
Hinsichtlich ihrer natürlichen Beschaffenheit sind auch die Lebensräume der Wasserpflanzen von großem Wert. In den so genannten Lobelien-Seen kommen die gleichnamigen Pflanzen mit ihren weißen Blüten vor, welche maximal 1 cm groß werden. Diese Pflanzen benötigen kristallklares, weiches Wasser mit freiem Kohlendioxid. Solche Seen findet man in Europa äußerst selten. In Polen gibt es insgesamt 150 Lobelien-Seen, die fast alle auf der Pommerschen Seenplatte liegen.
In der Tuchler Heide / Bory Tucholskie gibt es zahlreiche Standorte seltener Moor- und Sumpfpflanzen. Ein interessantes Phänomen sind die so genannten "Trockenbecken" auf Seen, die in Nadelwäldern vorkommen. Sie bestehen aus dicken Moor- und Sumpfschichten, die sich beim Betreten unter den Füßen bewegen. Die Pflanzen in diesen Becken sind dem pH-Wert des Wassers angepasst.
Auf der Wy¿yna Ma³opolska / Kleinpolnischen Hochebene treten größere Waldgebiete im Heiligkreuzgebirge / Góry ¦wiêtokrzyskie auf, wo man das Rauschen des herrlichen Heiligkreuz-Urwalds / Puszcza ¦wiêtokrzyska genießen kann, auch Tannen-Urwald genannt. Die ursprünglichen Baumbestände machen 63 % dieses Waldkomplexes aus. Die vielfältige geologische Beschaffenheit des Bodens hat viele unterschiedliche Pflanzenstandorte hervorgebracht. Daher wachsen dort fast alle in Polen auftretende Baumarten: Tanne, Buche, Eiche, Fichte, Linde, Eibe und Kiefer. Zu den seltenen Pflanzen zählen hier u. a. zahlreiche Orchideenarten, der Schmalblättrige Enzian und die europäische Trollblume. Die Pflanzenwelt ist hier besonders üppig. Im Unterholz wachsen Himbeeren, Brombeeren und verschiedener Farne, die riesige Flächen einnehmen. Ferner gibt es dichte junge Tannenwälder und Buchenhaine.
Der Heiligkreuz-Urwald ist die Wiege der Polnischen Lärche. Auf dem Berg Góra Che³mowa bei Nowa S³upia befindet sich der größte polnische Bestand an Lärchen, die nur in diesem Landesteil natürlich vorkommen. Hier wachsen die landesweit größten und ältesten Exemplare der Polnischen Lärche /larix polonica/. Einige haben über 5 m Umfang.
Östlich der Wy¿yna Ma³opolska gibt es in der weiten Klamm Roztocze wunderschöne Tannen- und Buchenbestände. Große Waldkomplexe befinden sich ebenfalls in der Karpatensenke. Zu den größten zählt der östlich des San-Tals gelegene, 1240 km2 große Urwald Puszcza Solska. Verhältnismäßig große Waldgebiete treten auch auf der Schlesischen Tiefebene / Nizina ¦l±ska auf. Am schönsten und landesweit am größten sind die 1500 km2 großen Niederschlesischen Wälder / Bory Dolno¶l±skie. Sie befinden sich auf den sandigen Alluvialkegeln, die durch die Flüsse der Sudeten angetragen wurden und bestehen überwiegend aus pflanzen- und tierarmen Kiefernplantagen.
Die Westkarpaten / Karpaty Zachodnie sind nur in einigen Partien gut bewaldet - vor allem in den Beskiden (Beskid ¦l±ski, ¯ywiecki und S±decki). Das Bieszczady-Gebirge ist hingegen mit einem dichten Waldmantel bedeckt. Die Wälder in den Sudeten sind Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre stark beschädigt worden. Im Riesen- und Isargebirge (Karkonosze und Góry Izerskie) hat der saure Regen auf riesengroßen Flächen zum Baumsterben beigetragen. Mitverursacher der ökologischen Katastrophe waren die Emissionen nahe gelegener polnischer, deutscher und tschechischer Braunkohlekraftwerke. Saurer Regen schwächte die Bäume und machte sie anfällig für Waldschädlinge, die das Vernichtungswerk vollendeten. Jetzt will man die zerstörten ursprünglichen Baumbestände mit Fichten- und Tannenwald sowie mit Mischwald aus Buche und Fichte ersetzen.
Die Wiesen Polens sind größtenteils nach Rodungen entstanden. In den weiten ehemaligen Tälern der Flüsse Biebrza und Narew sowie auf der Lubusker Seenplatte / Pojezierze Lubuskie sind Sumpfwiesen erhalten geblieben. Einen malerischen Anblick bieten die Wiesen im Bieszczady-Gebirge, die Almen und Wiesen der Tatra, auch Matten genannt. Im Frühling blüht hier massenhaft der Krokus. Außerdem gibt es Pflanzen, die in Polen nur in den Karpaten zu finden sind. Ihre Samen wurden einst von Schafen aus dem Balkan hierher gebracht. Sie blieben in deren Fell hängen und fielen irgendwann ab.

Natürliche Stockwerke

Wie das Klima so ist auch die Pflanzenwelt von der Höhe einer bestimmten Region abhängig. In Polens höchstem Gebirge, der Tatra, gibt es fünf natürliche Vegetationszonen. Die größte Fläche nimmt der untere Hochwald bis 1250 m Höhe ein, der aus angepflanzten Fichten besteht. Der obere Hochwald kommt bis 1500 m vor, besteht aus Fichten und hat häufig seinen ursprünglichen Charakter beibehalten. An seiner oberen Grenze findet man die Europäische Lärche, die Gemeine Eberesche, die Schlesische Weide. An steilen Berghängen stehen Steilhang-Fichtenwälder und Zirbelkiefern. Die Zirbelkiefer ist die Königin der Tatra-Wälder und entzückt durch ihre breite, rundliche Baumkrone sowie durch das dunkle Grün ihrer Nadeln. Diese wunderschöne Art kam während der Eiszeit aus dem Altai in das Gebiet Polens.


Zirbelkiefernsalbe für die Seele

Die Samen der Zirbelkiefer, die Zirbelkiefernüsse, sind essbar. Sie gehören zum Lieblingsmenü vieler Vögel, besonders des Tannenhähers. Im August werden die Zapfen mit Netzen vor nimmersatten Vögeln geschützt. Die Bewohner der Bergregion haben schon immer Holz, Harz und die Samen dieser Bäume genutzt. Schon im 17. Jh. gab es ein Rezept für Zirbelkiefersalbe zur Linderung psychischer Probleme. Ein bekanntes und bei zahlreichen Krankheiten empfohlenes Medikament war auch das Zirbelkieferöl.
 

Über dem Wald wächst in 1500-1800 m Höhe ein breiter Zwergkieferstreifen. Diese wuschlige Art wächst sehr dicht und wird bis zu 3 m hoch. Ihre harten, starken Äste drängen sich in die Felsspalten und breiten sich auf Steinen aus. Dank ihrer Elastizität kann sie Lawinen überstehen. Zwergkiefern sind für den Wald sehr wichtig - sie halten Geröll auf, bremsen den spontanen Wasserfluss und beugen der Erosion vor. Je höher sie wachsen, desto niedriger ist ihr Wuchs. An ihren höchsten Standorten werden sie knapp einen Meter hoch.
Am artenreichsten sind die zwei höchsten Vegetationsstufen: Alpenwiesen (auch Matten genannt, 1800-2250 m) und scharfgratige Gipfel wie sie nur in der Tatra vorkommen. Von 430 in Polen vorkommenden Gebirgspflanzen wachsen 400 Arten in der Tatra, die Hälfte davon vorwiegend auf den Matten und Gipfeln, wo über 600 Blumenarten blühen. Das Stiellose Leimkraut mit seinen rosa Blüten wehrt sich vor dem starken Wind, indem es sich mit moosartigen Kissen an den Fels klammert. Es gibt hier auch viele Steinbrechgewächse, Moose und Felsflechten. In der Tatra wachsen 700 Flechtenarten.
Es gibt sehr viele Pflanzen, die nur in der Tatra vorkommen wie z. B. der Tatra-Steinbrech, der Tatra-Rittersporn mit seinen wunderschönen, violetten Blütenbechern sowie das Granit- und das Edelrispengras.
Im Karkonosze / Riesengebirge, dem höchsten Bergmassiv der Sudety / Sudeten, gibt es ebenfalls Vegetationsstufen. Die ursprünglichen Buchen- und Mischwälder des unteren Hochwaldes (500-1000 m) sind größtenteils durch reine Fichtenwälder ersetzt worden. Im oberen Hochwald (bis 1250 m) wachsen vorwiegend Fichten, gelegentlich findet man auch Bergahorn und Eberesche. Das Unterholz wird von Heidekraut und verschiedene Grasarten bestimmt. An feuchteren Stellen gedeihen üppig Kräutergewächse. Darüber wachsen Zwergkiefern (1250-1450 m), die in den Sudeten sonst nur noch auf dem Berg ¦nie¿nik (1425 m) vorkommen.
Auf den flachen Gipfeln gibt es Hochgebirgsmoore. Das bekannteste liegt unterhalb der ¦nie¿ka / Schneekoppe (1602 m), wo zwischen den Zwergkiefern kleine Wasserbecken mit zahlreichen, für die Tundra typischen Sumpfpflanzen (Relikte aus der Eiszeit) verborgen sind. Es ist auch ein großer, dichter Standort der Lapplandweide. Wegen der Landschaft und wegen der charakteristischen Flora wird die Ebene unterhalb der Schneekoppe auch als Tundra des Riesengebirges bezeichnet. In der alpinen Stufe (über 1500 m) dominieren felsentypische Pflanzen wie Gräser, Moose und Flechten. Die Pflanzenwelt des Riesengebirges ist wegen des Granitbodens verhältnismäßig arm. Zu den Pflanzen, die nur hier vorkommen, gehören der Basalt-Steinbrech und die Sudeten-Eberesche. Zu den Relikten aus der Eiszeit gehören der Schnee-Steinbrech und das halbparasitische Sudeten-Läusekraut, das anderen Pflanzen mineralhaltiges Wasser wegnimmt. Außerhalb des Riesengebirges wächst dieses Kraut nur noch hinter dem Polarkreis.
Eine sehr spezifische Anordnung von Pflanzen findet man im Bieszczady-Gebirge /Ostbeskiden/ vor. Charakteristisch ist die niedrig verlaufende, obere Waldgrenze: 1200-1220 m und der fehlende Fichtenhochwald. Hier wachsen lediglich Zwergkiefer und Bergerle und darüber gibt es nur noch die Almen, die die größte Attraktion des Bieszczady-Gebirges sind. Sie reichen bis 1346 m, d. h. bis auf den höchsten Gipfel - Tarnica. Auf den Almen wachsen verschiedene Gräser und großflächig Blaubeeren. Es gibt über 20 seltene, für die Ostkarpaten typische Pflanzenarten, wie z. B. das Karpaten-Leimkraut und der Weiße Wachtelweizen sowie über 70 Hochgebirgspflanzen.
Das Bieszczady-Gebirge ist eines der wenigen Gebiete in Europa, in dem die Natur ihre ursprüngliche Gestalt zurückgewinnen konnte. Die Ureinwohner wurden nach 1945 ausgesiedelt und auf den Berghängen, auf denen sich einst ihre Felder und Weiden erstreckten, wachsen heute dichte Buchenwälder. Sie gehören zu den natürlichsten Waldbeständen Polens. Vielerorts hat der Wald wieder seinen ursprünglichen Charakter.


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