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Ignacy Mo¶cicki (1867-1946)

Ignacy Mo¶cicki wurde am 1. Dezember 1867 in Mierzanów nördlich von Warschau geboren. Schon sein Vater hatte 1863 am Volksbefreiungskampf innerhalb des Januaraufstandes teilgenommen. Die Großmächte Russland, Österreich und Preußen nahmen den Polen 1795 zwar ihren Staat. Ihren Nationalstolz konnten sie jedoch nicht brechen. So war Mo¶cickis Jugend von Patriotismus und von Aufständen geprägt. Nachdem er in Warschau die Schule abgeschlossen hatte, nahm er an der Technischen Hochschule Riga ein Chemiestudium auf. Dort organisierte er unter den polnischen Soldaten der Riga-Garnison und unter polnischen Studenten "Bildungskreise", die hauptsächlich auf eine konspirative Tätigkeit zielten. Er setzte sich mit der Partei "2. Proletariat" in Verbindung, die der polnische Revolutionär Ludwik Kulczycki gegründet hatte. Nach Abschluss des Studiums ging Mo¶cicki 1891 nach Polen zurück und setzte seine konspirativen Aktivitäten fort. Als man dahinter kam, musste er 1892 Polen verlassen.
Er emigrierte mit seiner Familie nach London, wo er fünf Jahre am Technical College in Finsbury und an der Patent Library studierte und hauptsächlich wissenschaftlich arbeitete. 1879 wurde er Assistent von Professor Józef Wierusz und leitete dessen Labor an der Universität Fribourg (Schweiz). Später wurde er Dozent an der Technischen Hochschule in Lwów, wo er ab 1925 Rektor war. Noch im selben Jahr kehrte er nach Warschau zurück, um eine Dozentenstelle an der Technischen Hochschule zu übernehmen. In dieser Zeit verzichtete er ganz auf politische Aktivitäten und gab sich ausschließlich der wissenschaftlichen Forschung hin, was zu vielen neuen Erkenntnissen im Bereich der Elektrochemie und der Physik führte. Unter anderem extrahierte er erstmalig in industriell verwertbaren Mengen Stickstoff aus der Luft, was für die Produktion von Salpetersäure notwendig ist, und konstruierte Generatoren mit außerordentlich hoher Leistung.

Mo¶cicki war Mit-Initiator bzw. Gründer chemischer Betriebe in Polen. Das betraf u. a. das "Metan"-Institut für wissenschaftliche und technische Forschung, die Chemischen Fabrik in Jaworzno, die Fabrik für Stickstoffverbindungen in Chorzów und die Staatlichen Fabrik für Stickstoffverbindungen bei Tarnów.

Im Jahre 1926 wurde er wieder politisch aktiv. Am 1. Juni 1926 ließ sich Ignacy Mo¶cicki auf Drängen Józef Pi³sudskis zum Präsidenten der Republik Polen vereidigen. Pi³sudski war nach dem "Mai-Staatsstreich" zur dominierenden politischen Kraft geworden. Jene militärische Aktion von Pi³sudski sollte die damalige Regierung an der Machtausübung in dem polnischen Staat verhindern, der nach dem Ersten Weltkrieg wiederentstanden war. Mo¶cicki blieb 13 Jahre in seinem vorwiegend zu Repräsentationszwecken bestimmten Amt, in das er am 8. Mai 1933 wiedergewählt wurde. In Wirklichkeit war es Pi³sudski, der die Macht bis 1935 ausübte, aber die Funktion des Präsidenten nicht übernehmen wollte. Mo¶cicki blieb bis 1939 Präsident. Als Polen am 1. September 1939 von Deutschland überfallen wurde, erließ er einen Appell, in dem er sein Volk zum bewaffneten Kampf für die Unabhängigkeit und zum Widerstand gegen den Aggressor aufrief. Als jedoch auch russische Truppen Polens Grenzen überquerten, floh er am 17. September mit der Regierung nach Rumänien, wo ihn die rumänische Führung wegen des Drucks der Deutschen internierte. Mo¶cicki berief sich auf seine schweizerische Staatsangehörigkeit, die er 1879 während seiner Arbeit an der dortigen Universität bekam, legte sein Amt nieder und machte den Vorsitzenden des Polnischen Weltbundes, W³adys³aw Raczkiewicz, zu seinem Nachfolger.

Im Dezember 1939 zog Ignacy Mo¶cicki mit seiner Familie in die Schweiz, wo er bis zu seinem Tode blieb. Am 2. Oktober 1946 starb er in Versoix bei Genf im Alter von 79 Jahren.


Wussten Sie schon...

...dass Ignacy Mo¶cicki als dem Gründer der Staatlichen Fabrik für Stickstoffverbindungen in Tarnów der neue Stadtteil Mo¶cice gewidmet wurde? Als er Polens Präsident war, pflegte er alle neugegründeten Betriebe zu besuchen und so fuhr er im Mai 1938 auch in diesen Stadtteil.

 

 




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