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Stanis³aw August Poniatowski (1732-1798)

Stanis³aw August Poniatowski war der letzte polnische König. Er hatte eine undankbare Rolle: Der polnische Staat war zerrissen durch die Geschlechter der Potocki und Czartoryski, die um ihre Einflusssphäre kämpften, durch die Zarin Katharina II. sowie aufgrund von Zwistigkeiten innerhalb des Adels. Die dringend notwendigen Reformen scheiterten am Widerstand der meisten Interessengruppen, besonders der Zarin, die ihren Einfluss in Polen nicht verlieren wollte. In dieser Situation schien es, als ob man 1764 mit der Wahl des jungen Truchsess aus Litauen, der mit den Czartoryski verwandt war und die polnische Regierung in Petersburg repräsentierte, den Status Quo bewahren könnte.

Doch der neue König wollte keine Marionette von der Zarin sowie von Micha³ und August Czartoryski sein. In seiner Jugend genoss er eine gründliche Ausbildung, reiste viel und verbrachte viel Zeit in England, wo er die parlamentarische Demokratie kennen lernte. Daher gelang es ihm auch in den ersten Regierungsjahren, eine Militärreform durchzuführen. Er ersetzte die Kavallerie durch die Infanterie und rüstete sie mit modernen Waffen aus, rief eine Münzkommission ins Leben, die die Währungsangelegenheiten ordnete, und gründete Kommissionen zur Städteordnung, die sich mit der Staatskasse sowie der kommunalen Wirtschaft befasten. 1764 ließ Poniatowski den Sejm reformieren. Zu dessen Einberufung wurde eine Sejmordnung beschlossen, die dem Sitzungschaos ein Ende bereitete und das liberum veto aufhob. Es wurden Finanzausschüsse zur Steuereintreibung gebildet, was den Ausverkauf von Staatseigentum zum Teil verhinderte.

Mehr Reformen konnte Stanis³aw August jedoch nicht durchführen. Er hatte bereits das Missfallen des Adels und Katharinas II. erregt, die - durch die Umstände zutiefst beunruhigt - einen Gesandten an den polnischen Hof schickte. Seitdem wurde Poniatowski auf Schritt und Tritt verfolgt und die Zarin über alle seine Handlungen auf dem laufenden gehalten. Außerdem wurde auf Betreiben des Gesandten, der die Abneigung des polnischen Adels gegenüber dem König spürte, während des Sejms 1767/68 gegen den König und seine Reformen ein Bündnis geschmiedet. Es wurden die "Kardinalrechte" beschlossen, die dem Adel weitgehende Freiheiten und Privilegien sicherten. Um diese zu bewahren, wurde 1768-1772 ein Streitbund des oppositionellen Adels - die Konföderation von Bar - gebildet, die sich sowohl gegen den König als auch gegen Russland richtete.

Die innenpolitische Lage, ständige Zwistigkeiten innerhalb des Adels sowie eine grundlegende Aversion gegen Reformen führten am 17. Februar und am 5. August 1772 zur Unterzeichnung von Verträgen zwischen Preußen, Österreich und Russland über die Teilung Polens. Als Gründe nannte man den vollständigen Zerfall des Staates sowie die darin herrschende Anarchie. Um dem Pakt Rechtskraft zu verleihen, verlangten die Invasoren die Einberufung des polnischen Sejms, der ihre Beschlüsse offiziell legalisieren sollte. Der Sejm unter der Führung von Adam Poniñski, der gleichzeitig Bündnispartner von Katharina II. war, billigte diesen Beschluss und überließ damit Polen dem fremden Joch.

König Stanis³aw August wurde nun also doch zur Marionette, die vom Ständigen Rat, welchen die Invasoren einberufen hatten, abhängig war. Trotzdem strebte er danach, die Unabhängigkeit wiederzuerringen, wozu er jede Gelegenheit nutzte. Zum Beispiel 1791 während des Siebenjährigen Sejms, als die Invasoren mit eigenen Problemen kämpften (Russland im Krieg gegen die Türkei und Österreich im Konflikt mit Preußen). Poniatowski gelang es, einige für den Staat wichtige Reformen durchzusetzen, die das Militär, die Finanzen und die Exekutive betrafen. Ferner wurde am 3. Mai 1791 die erste Verfassung Europas verabschiedet, die eine Gewaltenteilung in Legislative und Exekutive festlegte. Man hob die über 300 Jahre dauernde Teilung von Polen und Litauen auf und stattete das Bürgertum, die Juden und die Bauern mit neuen Rechten aus. Ohne seine Staatsform zu ändern, wurde Polen zu einer modernen konstitutionellen Monarchie.

Der Versuch, die Unabhängigkeit Polens zu erlangen, ist jedoch gescheitert. Infolge des Verrats eines Teils der Adligen sowie der mit Russland verbündeten Konföderation von Targowica, marschierten 1792 russische Truppen in Polen ein. Januar 1793 kam es somit zur zweiten Teilung Polens. Stanis³aw August wurde 1794 von der Regierung abgelöst und 1795 nach Grodno gebracht, wo er 1796 abdankte.

Stanis³aw August Poniatowski, der letzte König Polens, ist 1798 in St. Petersburg in Gefangenschaft des Zaren gestorben.


Wussten Sie schon...

...dass Stanis³aw August Poniatowski ein großer Kunstmäzen war? In Warschau ließ er das Königsschloss umbauen und am damaligen Stadtrand den £azienki-Park errichten. Ferner lud er zu seinen berühmten "Diners am Donnerstag" Schriftsteller und Künstler ein. Außerdem gründete er das erste Bildungsministerium und eine Kadettenschule zur Offiziersausbildung. Poniatowski unterstützte Politiker, Patrioten und jene fortschrittlichen Personen, die sich um den polnischen Reformer Hugon Ko³³±taj versammelten.

 

 



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