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Stefan Wyszyñski (1901-1981)

Kardinal Stefan Wyszyñski wurde am 3. August 1901 im Dörfchen Zuzela am Fluss Bug an der Grenze zwischen Masowien und Podlachien geboren. Seine Mutter starb, als er neun Jahre alt war. Durch die letzte Teilung Polens durch Russland, Österreich und Preußen 1795 unterstanden diese Gebiete bis zum Ende des Ersten Weltkriegs (1918) den russischen Besatzungstruppen. Dieses Gebiet hatte sich das russische Zarenreich einverleibt, welches besonders intensiv versuchte, das Nationalgefühl der Polen zu brechen. Deshalb wurde Wyszyñski 1912 von seinem Vater nach Warschau geschickt, das im Königreich Polen lag. Dort absolvierte er 1915 das Gymnasium und besuchte nach dem Abitur das Priesterseminar in W³oc³awek, was er 1924 abschloss. Nachdem er sich von einer schweren Krankheit erholt hatte, wurde er am 3. August 1924 zum Priester geweiht.

Seine erste Messe (die Primiz) hielt er in Tschenstochau (Czêstochowa) auf dem Hellen Berg (Jasna Góra). Dieser Berg ist für die Polen von ganz besonderer Bedeutung, weil sich im dortigen Paulinerkloster das wundervolle Heiligenbild der Mutter Maria von Tschenstochau befindet, die Polens Schutzpatronin ist. Die nächsten vier Jahre verbrachte Wyszyñski an der Fakultät für Kanonisches Recht und Sozialkunde an der Katholischen Universität in Lublin, wo er 1929 den Doktortitel erhielt. Seine Doktorarbeit aus dem Bereich kanonisches Recht handelte vom "Recht der Familie, der Kirche und des Staates auf Bildung". In den Folgejahren machte er Bildungsreisen durch Europa.

Zurück in Polen unterrichtete Wyszyñski am Priesterseminar in W³oc³awek. Nach Kriegsausbruch musste er die Stadt verlassen, denn er stand wegen seiner sozialen Aktivitäten unter Arbeitern auf der Fahndungsliste der Deutschen. Auf Anweisung von Bischof Kozal ging er nach Laski bei Warschau in ein Krankenhaus. Am 1. August 1944 wurde er mit dem Ausbruch des Warschauer Aufstands zum Militärpfarrer der Gruppe "Kampinos" innerhalb der Heimatarmee berufen. Er arbeitete ferner in Laski als Seelsorger für verletzte Widerstandskämpfer.

Nach Kriegsende kehrte Priester Wyszyñski 1945 nach W³oc³awek zurück, wo er das zerstörten Priesterseminar mit aufbaute. Er wurde Rektor des Priesterseminars und Redakteur der Wochenschrift "£ad Bo¿y" (Gottes Ordnung). 1946 wurde er von Papst Pius XII. zum Bischof der Diözese Lublin ernannt. Nach dem Tode von Kardinal Hlonda wurde er am 22. Oktober 1948 vom Polnischen Episkopat zum Erzbischof und Metropoliten von Gnesen und Warschau sowie zum Primas von Polen gewählt.

In den 50er Jahren musste die polnische Kirche unter der Verfolgung durch die Kommunisten leiden. Zur Zeit des Stalinismus wollte man die Autorität und die gesellschaftliche Stellung der Kirche zerstören. Deswegen wirkte der Primas an dem Abkommen "Verständigung" mit, das am 14. Februar 1950 vom polnischen Episkopat und der Regierung unterschrieben wurde. Darin wurden die Rechte der Kirche in Polen festgelegt. Doch im Mai 1950 verabschiedete der Sejm ein Gesetz über die Beschlagnahme aller Kirchen- sowie Ordensgüter. Damit waren die Beschlüsse vom 14. Februar 1950 nur noch Makulatur.

Im Jahre 1953 begann die nächste Verfolgungswelle. Als das Episkopat gegen die Versuche des Staates protestierte, sich in die Berufung von Bischöfen einzumischen, reagierte dieser mit zahlreichen Prozesse und Inhaftierungen von Priestern. Auch Wyszyñski, der im November 1952 Kardinal wurde, kam am 25. September 1953 zuerst bei Grudzi±dz ins Gefängnis und dann nacheinander in die Klöster in Stoczek Warmiñski, Prudnik bei Oppeln und Komañcza im Bieszczady-Gebirge, in denen er wie ein Gefangener gehalten wurde. Erst am 26. Oktober 1956 ließe man ihn wieder frei.

Seine seelsorgerischen und sozialen Aktivitäten hat er nie aufgegeben. Die Krönung seiner Arbeit waren die Millenniumsfeierlichkeiten von 1966. Genau 1000 Jahre früher hatte sich der erste Herrscher Polens, Mieszko I., taufen lassen. Den Kardinal ließen auch die sozialen Unruhen von 1980 nicht gleichgültig. Als in Polen die "Solidarno¶æ"-Bewegung einsetzte, forderte er - in Sorge um das Wohl der Menschen und den Frieden in Polen - sowohl von der Regierung als auch von den streikenden Arbeitern verantwortungsvolles Handeln. Er rief sie dazu auf, die möglichen Folgen ihrer Taten zu bedenken.

Kardinal Wyszyñski wurde später "Primas des Jahrtausends" genannt. Er starb am 28. Mai 1981. Für ihn stand der Mensch immer im Mittelpunkt. Er lehrte nicht nur als Priester, dass die Würde und das Gewissen das wichtigste Gut sind, sondern drückte dies auch durch sein soziales Engagement und seinen großen Patriotismus aus. Er war eine der großen moralischen Instanzen des 20. Jh. 2001 wurde in Polen das "Jahr von Kardinal Stefan Wyszyñski" anlässlich seines 20. Todestages gefeiert.


Wussten Sie schon...

...das Teresa Kotlarczyk im Jahr 2000 den Film "Primas - Drei Jahre aus einem Jahrtausend " über das Leben und die Gefangenschaft von Kardinal Stefan Wyszyñski gedreht hat? Die Hauptrolle spielte der Pole Andrzej Seweryn, der seit Jahren auch in Frankreich - u. a. in der Comédie Française - auftritt.

 

 




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