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Wirtschaft

Die größte Schwierigkeit des unabhängigen Staates war die Lösung seiner Wirtschaftsprobleme: In Polen herrschte 1990 Hyperinflation von über 500 %, die enorme Auslandsverschuldung bei westlichen Banken war ein Hemmschuh für Investitionen.

 

 

Das Panorama von Warschau

Die Lage erschwerten zusätzlich verdeckte Arbeitslosigkeit, überholte und nicht effiziente Industrieunternehmen sowie die rückständige Landwirtschaft. Die Gesetze über die Wirtschaftstätigkeit von 1988 sowie die allgemeine Preisfreigabe im Juli 1989 haben die Erwartungen nicht erfüllt. Polen entschloss sich, den vom damaligen Finanzminister entwickelten so genannten Balcerowicz-Plan umzusetzen. Er sah folgendes vor: Preisfreigabe im Inland, Importanstieg, verschärfte Kontrollen bei Löhnen und Gehältern sowie bei den Unternehmensfinanzen, Einführung eines über der Inflation liegenden Zinssatzes, Stabilisierung des polnischen Z³oty zum Dollar und Einführung seiner Umtauschbarkeit. Durch diese Maßnahmen hat sich die polnische Wirtschaft stabilisiert und für die Welt geöffnet. Man begann Reformen im Bankensystem sowie in der Geld- und Kreditpolitik und schuf den

 

 

In den neunziger Jahren wurden im Zentrum von Warschau viele Bürohäuser gebaut.

Kapital- und den Arbeitsmarkt. Im Juli 1990 verabschiedete der Sejm das Privatisierungsgesetz. 1991 und 1992 wurden die Einkommens- und die Mehrwertsteuer eingeführt.

Für die Reformen des Systems waren neue Eigentumsverhältnisse unabdingbar. Die Staatsunternehmen machten sich selbständig, was den inneren Wettbewerb anregte. Die Privatisierung des Staatsvermögens, die Einführung von Regeln des freien Marktes und eine radikale Herabsetzung des Haushaltsdefizits wurden endlich erfolgreich durchgesetzt. 1992 fiel die Inflation auf 43 % und in den nächsten Jahren erreichte sie einstellige Werte. Ende 2001 lag sie unter 4 %. Die wirtschaftlichen Erfolge der aufeinanderfolgenden Regierungen haben die Gläubiger veranlasst, die polnische Verschuldung um 50 % zu reduzieren, und westliche Firmen ermuntert, in Polen zu investieren. 1991 startete in Warschau die Wertpapierbörse und das Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich. 1993 lag der BIP-Anstieg bei 4 %, 1995 bereits bei 7 %. Die frei konvertierbare Währung wurde 1995 abgewertet und so wurde aus 10 000 alten Z³oty ein neuer, d. h. man strich vier Nullen. Durch den Erfolg der polnischen Reformen hat sich der Zloty-Kurs zum Dollar stabilisiert.

 

 

Stettiner Werft

Gegenwärtig ist Polen ein Land mit einem stabilen politischen System sowie einer sich entwickelnden Wirtschaft. Es beteiligt sich aktiv an internationalen Strukturen (Mitgliedschaft in WTO, OECD und CEFTA). Die wirtschaftliche Entwicklung, auch wenn in letzter Zeit verlangsamt, ist trotzdem in sich beständig und wird durch tiefgreifende soziale Reformen (u. a. des Rentensystems und des Gesundheitswesens) unterstützt. Bereits seit zehn Jahren werden Vorschriften und wirtschaftliche Institutionen an die der EU angepasst. Schon jetzt ist die EU der wichtigste Handelspartner Polens. In die EU gehen 70 % des Exports, aus den EU-Ländern werden über 60 % des Imports abgewickelt.
Durch die nach 1989 eingeleiteten Reformen verschiebt sich die Bedeutung aller Wirtschaftsbereiche. Eine grundlegende Voraussetzung ist die Einhaltung der Regeln der freien Marktwirtschaft, die sich auf die vorherrschenden Rolle der Privatunternehmen stützt. Deren Bedeutung nimmt weiterhin zu. Die wichtigsten Antriebskräfte des Wirtschaftswachstums in Polen sind der Privatsektor und die Privatisierung von oben und von unten, was zum Entstehen immer wettbewerbsfähigerer Wirtschaftsstrukturen führt. Der Privatsektor erwirtschaftete 2001 bereits fast 75 % des BIP und hat über 70 % aller Arbeitsplätze geschaffen.

Analog zu den EU-Staaten hat sich die Schwerindustrie, die von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung ist, bei der Privatisierung und Umstrukturierung als besonders schwierig erwiesen.

 

 

Die Warschauer Börse

Die Privatisierung geht weiter. Das betrifft Großunternehmen der Branchen Stahl, Chemie und Maschinenbau, den Energiesektor (die Privatisierung ist im Gange und das Interesse ausländischer Investoren wächst rasch), die Gasindustrie, Verkehrsunternehmen (vor allem die Polnische Staatsbahn) sowie die Rohstoffgewinnung. Die Änderung der Eigentumsverhältnisse in der Wirtschaft und die Funktionsfähigkeit des Marktes erforderten die Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen, die die Entwicklung eines freien und geregelten Wettbewerbs ermöglichen. Der Prozess wurde Ende der 90er Jahre abgeschlossen, und zwar mit der Verabschiedung der Gesetze zur freien Wirtschaftstätigkeit und von Regeln zur Erteilung und Überwachung von Investitionsbeihilfen der öffentlichen Hand, sowie mit der Umsetzung des Rechtsgutes der EU (acquis communautaire) in nationales Recht, und zwar in Bezug auf den freien Güterverkehr. Es geht um ein internes Bewertungssystem, ob die Waren mit den gesetzlichen Normen übereinstimmen, um die Haftung des Herstellers für seine Erzeugnisse und um Produktsicherheit. Das seit 2001 geltende neue Handelsgesetz ist völlig mit den EU-Regeln konform, welche die Grundsätze zur Eintragung und Tätigkeit von Unternehmen festlegen.

Nach über einem Jahrzehnt der Deregulierung der Wirtschaft in Polen hat man sich den EU-Standards angenähert. Durch die konsequente Angleichung der Vorschriften sind die letzten Unterschiede in der Behandlung von Unternehmen aufgehoben, die noch aus der Zeit des Sozialismus stammten. Die Eigentumsform, die Unternehmensgröße, die Wirtschaftsbranche oder die Staatsangehörigkeit des Unternehmers spielen keine Rolle mehr.


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