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W³adys³aw II. Jagie³³o (1351-1434)

Jagie³³o (Iogailas), der Ahnherr einer neuen polnischen Dynastie, Jagiellonen-Dynastie genannt, stammte aus Litauen. Den polnischen Thron bestieg er im Zusammenhang mit der polnisch-litauischen Union, die 1385 in Krewo besiegelt wurde. Dadurch wurde er Herrscher über Polen und Ehemann der polnischen, 23 Jahre jüngeren Herrscherin Jadwiga Andegaweñska. Er nahm den christlichen Glauben an und war fest entschlossen, das die Pommerellen aus den Händen des Kreuzritterordens zu befreien. 1226 hatte der polnische Fürst Konrad Mazowiecki (Konrad von Masowien) die Kreuzritter nach Polen geholt, weil sie ihm versprochen hatten, ihm bei der Eroberung und Christianisierung der heidnischen Prußen zu helfen. Er wollte die baltischen Gebiete Pommern und Danzig, die seit langem ein Teil Polens waren, nicht aufgeben.

Die Kreuzritter waren seinerzeit eine absolute Macht in Europa und bedrohten beide Länder. Sie besetzten die polnischen Gebiete an der Ostsee, um dann weiter ins Landesinnere vorzudringen. Dabei griffen sie auch litauisches Gebiet an, um ¯mud¼ zu annektieren. Nachdem sie 1404 litauisches Gebiet besetzt hatten, war ein Krieg schon nicht mehr zu vermeiden. Nach einem Aufstand in ¯mud¼ ist Polen 1409 seinem Verbündeten zu Hilfe geeilt. Die Vorbereitungen zum Kampf dauerten von 1409 bis 1410. Die Kreuzritter bedienten sich in ganz Europa antipolnischer und antilitauischer Propaganda, um das Rittertum dazu zu bewegen, sich dem Kreuzzug gegen die "Heiden" anzuschließen. In Litauen wurde der christliche Glauben nämlich erst 1386 eingeführt und Jagie³³o musste seinen Landsleuten den neuen Glauben fast aufzwingen.

Der Kampf begann im Juni und dauerte bis zum 10. Juli 1410. An diesem Tag stießen bei Grunwald (Tannenberg) zwei Großarmeen aufeinander: 30 000 Kreuzritter, angeführt vom Hochmeister Ulrich von Jüngingen und verstärkt durch Ritter aus fast 20 europäischen Ländern gegen die zahlenmäßig ebenbürtige polnisch-litauische Armee sowie tatarische Truppen, die man vom moldauischen Hospodar gesandt hatte. An der Spitze standen der polnische König W³adys³aw Jagie³³o und sein jüngerer Bruder Witold, der die Aufgaben des Großfürsten in Litauen erfüllte. Die litauischen und tatarischen Truppen bestanden überwiegend aus leichtbewaffneten Rittern, die nicht so gut ausgebildet aber sehr tapfer waren. So konnten sie dank Jagie³³os kluger Taktik die Kreuzritter schlagen und ihre Überlebenden gefangen nehmen. Jagie³³os Truppen erkämpften alle 52 Banner der Kreuzritter. Der mächtige Kreuzritterorden hat sich von dieser Niederlage nie erholt. Nach einem 1411 in Toruñ (Thorn) geschlossenen Vertrag hat Litauen ¯mud¼ bzw. Polen einen Teil der Pommerellen wiedergewonnen.

Dieser bedeutsame Sieg festigte die Macht W³adys³aw Jagie³³os in Polen. Nach dem Tode seiner Frau 1399, die als Enkelin W³adys³aw I. £okietek (Ellenlang) im Gegensatz zu Jagie³³o ein unstrittiges Recht auf den polnischen Thron hatte, schloss dieser 1413 in Horodla ein Bündnis mit dem Adel, um seine Interessen und die seiner potenziellen Nachfolger zu schützen. Dieses Bündnis schuf aus Polen und Litauen zwei selbständige Staaten mit jeweils eigener Verfassung, Staatskasse, Armee und eigenen Privilegien für den Adel und die Bojaren, wobei der König das einzige Bindeglied war. Damit sicherte Jagie³³o die Thronfolge in Litauen für seine Nachfolger unabhängig von der politischen Lage in Polen. 1424, als er siebzig war, hat seine vierte Frau, die 17-jährige Prinzessin Sofia Hol'šanskaja (Soñka), einen Sohn geboren. Damit der kleine W³adys³aw III. den polnischen Thron besteigen durfte, unterzeichnete Jagie³³o 1425 in Brest einen Vertrag, der dem polnischen Adel seine Privilegien festschrieb. Übrigens wurde W³adys³aw III. später Warneñczyk genannt, weil er bei Warna ums Leben kam.

W³adys³aw Jagie³³o blieb bis zu seinem Lebensende außerordentlich aktiv - die Chronisten schrieben, dass er die Jagd liebte und sich gern im Freien aufhielt, sowie dass er gewöhnliche Speisen und als Getränk nur Wasser zu sich nahm und stärkere Getränke mied. Am 1. Juni 1434 starb er mit 83 Jahren an einer Lungenentzündung, nachdem er im Wald bis spät in die Nacht dem Gesang der Nachtigall gelauscht hatte.


Wussten Sie schon...

...dass W³adys³aw II. Jagie³³o vor der Schlacht bei Grundwald die Hoffnung hatte, Frieden zu schließen, damit nicht unnötig Blut vergossen wird? Ulrich von Jungingen hat ihm jedoch Gesandte mit zwei entblößten Schwertern geschickt. Darauf soll der König gesagt haben: "Wir haben genug Schwerter, aber ich will auch diese gern als ein Siegeszeichen annehmen, das mir von Gott durch Euch gegeben wird." Diese Szene wird von Henryk Sienkiewicz in seinem Roman Kreuzritter beschrieben. Das Buch erschien im Jahre 1900, vier Jahre nach dem Roman Quo vadis, für den ihm 1905 der Literaturnobelpreis verliehen wurde.

 

 



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